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| Die Nacht war eine mittlere Katastrophe. Kaum ein
Auge haben wir wegen den Moskitos zugetan. Alle möglichen Ritzen
haben wir mit Klebeband verschlossen, aber es hat
nichts gebracht. Immer wieder drangen die beissenden Viecher in den
Innenraum. Stunde um Stunde standen wir auf, um auf Moskito-Jagd
zu gehen. Wir waren total genervt, konnten wir doch nichts dagegen
tun.
Im frühen
Morgengrauen
entdeckten wir endlich
das
Leck:
Es war der Dampfabzug über dem Gasherd, der uns eine
schlaflose Nacht bescherte. Kaum war es einigermassen hell,
war ich auch schon draussen, um endlich das Abzugsloch auf dem Dach
zu stopfen bezw. abzukleben. So konnten wir wenigstens das Morgenessen
mückenfrei
geniessen. Schon um 6 in der Früh, bei trüben Nieselwetter,
sind die
Viecher
so zahlreich unterwegs, dass ein Aufenthalt im Freien beinahe zur
Mutprobe wird. |
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Als wir gegen 8 Uhr den Providence Campground
verliessen, war er nur sehr spärlich besetzt, was uns eigentlich nicht
sehr verwunderte, hatten wir doch nur sehr selten Touristen auf der
Strasse gesehen. Wir sind gespannt, wie
das in Yellowknife aussehen
wird.
Auf dem
Frontier
Trail (Yellowknife Highway) sind es noch 295 km bis zur Hauptstadt
durch
den einsamen Mackenzie Bison
Sanctuary.
Enttäuschung
machte sich langsam breit. Sind wir doch schon etliche
Kilometer durch Bisonland gefahren, ohne eines der gewaltigen Tiere
gesehen zu haben. Aber das
sollte
sich
jetzt
ändern.
Denn kaum waren wir an diesem frühen Morgen eine halbe Stunde unterwegs,
stiessen wir auf eine ca. 60 Tiere zählende Waldbison Herde. Neben
mächtigen Bulle gab es auch viele Jungtiere. Wir konnten ohne
Probleme direkt daneben anhalten und die gemächlich grasenden Tiere
eine Zeitlang beobachten.
Aussteigen würde ich aber nicht empfehlen, denn man weiss ja nie, wie
sie reagieren
würden. |
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Wir kamen nur langsam voran, denn immer
wieder sahen wir Tiere am Strassenrand. Manchmal waren es einzelne
Bullen, manchmal kleinere Herden. Ab und zu spazierten
sie direkt auf dem Highway, als wollten sie sagen: "Das ist
mein Revier und ihr wartet mal schön bis ich mich für eine
Strassenseite
entschieden
habe." Es war ein auf und ab auf den 220 Kilometer bis Rae. Immer wieder
sahen wir
die
mächtigen
Giganten am Strassenrand, die kaum mit den Wippern zuckten, wenn wieder
mal ein Truck vorbei donnerte. Solche Bullen wie rechts auf dem Foto
können gut und gerne 1000 Kilos wiegen
und
eine
Schulterhöhe
von 1.90m
aufweisen.
Allein auf diesem Stück Highway, das auch eine spezielle Naturschutzzone
für
Bisons
ist,
sahen
wir gegen
200
Tiere. |
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Von den Waldbisons mal abgesehen,
bietet auch diese Strecke nicht viel sehenswertes.
Die
Gegend
ist extrem
einsam, es gibt keine Menschen und tanken ist zwischen Providence und
Yellowknife nur im abgelegenen Rae möglich. Der Highway selber
ist bis zur Brücke über den North Arm sehr gut ausgebaut.
Es ist flaches Land mit viel Wald, wobei die Bäume nicht sehr
gross sind und gegen Norden immer kleiner werden. Ab und zu druchquert
die Strasse Sumpfgebiete,
aber sonst hat man immer das gleich Bild vor Augen wie auf dem Foto
rechts. Bei Kilometer 160.6 auf dem schönen Rastplatz Chan
Lake, traffen wir wieder unseren Ranger, der gestern die Campinggebühr
einkassierte. Wir blieben etwas länger als geplant und plauderten
ein wenig. Bevor er Ranger wurde war er Truck Driver für Washington
- Northwest
Terriories, bezahlt nach zurückgelegten Kilometer. Er stammt auf
Fort Simpson und hat einen Bruder, der Kanutouren anbietet. Er war
schon
oft auf den Nahanni River mit Touristen unterwegs,
und kann sich kaum erklären, dass es immer wieder solche gibt,
die kein Englisch
sprechen.
Er erzählte uns von Touristen, die in einem See angelten, der
gar keine Fische hat und auch nie welche haben wird. Und es soll
Touris geben, die sich den Bisons näherten als wären es Haustiere.
Interessant zu erfahren war auch, dass er und 3 weitere Ranger
sich ein Gebiet von 1500 km2 teilen. Viel Arbeit für ein Land,
das hinter dem Highway nichts bietet. |
| Weiter auf dem Highway, überquerten
wir bei Kilometer 243.8 den North Arm (Frank Channel). Die Brücke
ist auch ein natürliches
Hinderniss für die Waldbisons, da sie hier nicht weiterkommen,
wird man kaum noch welche auf der anderen Seite antreffen.
Anschliessend zweigt dann die Strasse ab Richtung Rae, 11 Kilometer
vom Highway entfernt,
ein Indianerdorf mit ca. 2000 Einwohnern. Die letzten 95 Kilometer
bis Yellowknife sind dann nicht mehr so gut zu befahren. Zuerst ist
der Highway noch geteert, hat aber zahlreiche Schlaglöcher, dann
folgt der berüchtigte Abschnitt Schotterstrasse, der
die Fahrt nach
Yellowknife so berühmt macht. Es ist die einzige Bundeshauptstadt
Kanadas, die nicht durch eine durchgehende Teerstrasse erschlossen
ist. Ganze 32 km sind geschottert und machmal in einem erbärmlichen
Zustand.
Kein Wunder
wird Tag und Nacht gearbeitet, denn noch in diesem Jahr 2005 soll
die Asphaltstrasse fertig werden, die Yellowknife ein
wenig attraktiver machen soll. Wie es
in Kanada
üblich
ist , wird
nicht
die bestehende Strasse ausgebaut, sondern es wird gleich
eine neue in die Wildnis geschlagen. Wer Platz hat kann sich sowas
eben leisten. Ob die Teerstrasse wirklich fertig wird bis der erste
Frost
kommt? Bei unserer Durchfahrt waren die Arbeiten
auf jeden Fall noch nicht sehr weit vorangeschritten. |
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Nur wenige Kilometer vor Yellowknife
haben wir wieder Asphalt unter uns. Zuerst liegt der
Airport am Wegesrand, der die einsame Hauptstadt täglich mit der Zivilisation
verbindet,
und dann ist sie da, die Hauptstadt der Northwest Territories.
Wir sind am Ziel unserer Fahrt Richtung Norden. Nach über 500 Kilometer
Wildnis gibt es plötzlich wieder Ampeln und richtigen Verkehr. Man
traut seinen Augen kaum: Eine
Stadt im Nirgendwo, schwer vorstellbar,
dass hier Menschen leben wollen. Morgen werden wir diese Stadt erkunden. |
Panoramabild |
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Die Wahl des Campground fiel nicht weiter
schwer, da es in Stadtnähe nur einen einzigen gibt, der
mit 150 Plätzen aber genügend Platz bietet . Nach der
Reservation fuhren wir zuerst ins Visitor Center. Hier erkundigten
wir uns nach einem Geschäft, das Mückenschutz anbietet. Denn
eine Nacht wie gestern
möchten wir nicht noch mal erleben. Im Canadian Tire haben wir
dann alles bekommen.
Sogar ein Mückennetz für's Bett haben wir gekauft und mit
viel Kleppband festgeklebt. Jetzt sind wir gewappnet. Schlimmer als
letzte Nacht kann es kaum werden. Oder doch?
Campingpatz-Koordinaten: N 62.28.285, W 114.25.285,
Höhe 192m.ü.m |
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