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| Obwohl es draussen nur so von Moskitos und Black Flies wimmelte, konnten wir ohne Probleme schlafen. Keiner der Plagegeister fand den Weg in den Innenraum. Die Abdeckung über dem Dampfabzug, die wir in Fort Providence anbringen mussten, zeigte also Wirkung. Auch der spezielle Mückenschutz für Motorhomes, ein gelbes aufzuhängendes Teil, war eine gute Investition. Als ich am Morgen das restliche Holz im Van verstauen wollte ging das Theater draussen gleich wieder von vorne los. Wir packten schleunigst unsere Sachen und verliessen fluchtartig den Moskito verseuchten Blackstone Territorial Park. |
Vorgänger des Liard Trails war eine Winterroad zwischen Fort Nelson und Fort Simpson. 1975 entstand eine Dirt Road, für deren Bewältigung die ersten mutigen Benützer bis zu 44 Stunden brauchten. Das brachte der Strasse einen schlechten Ruf ein, der bis heute nachwirkt. Im Juni 1984 wurde sie dann offiziell für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Seither wird sie von Jahr zu Jahr besser, aber der schlechte Ruf blieb leider bestehen.
Das Bild des Liard Trails änderte sich wieder einmal. Es wurde
staubiger und staubiger. Unglaublich was für eine Staubwolke
wir hinter uns herzogen. Zum Glück fuhr niemand vor uns, denn
wir hätten nichts mehr sehen können. Das Problem ist bekannt
und wird auch in der Milepost erwähnt. Wenige Teilstücke
werden mit einem speziellen Kalzium Chloride behandelt, was seine
Wirkung sofort in einer staubfreien Strasse zeigt, jedoch nicht gut
für die Fahrzeuge sein soll. Daher sollte man nach Befahren
des Liard Trails, sein Auto gründlich waschen. Schlaglöcher
hatten Seltenheitswert und dort wo es welche gab, war schon der "Grader" vorbeigefahren,
oder war gerade dabei seine Arbeit zu tun, wie das obere Bild zeigt. |
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Bei Km 108 überquert der Liard
den Upper Blackstone River, wo eine Day Use Area zum Campieren einläd.
Bei Km 124.4 zweigt eine Stichstrasse von 22.3 km Länge ins
Indianerdorf Nahanni Butte (107 Einwohner) ab. Im weiteren Verlauf
der Fahrt bis Fort Liard kommt nichts Spektakuläres mehr. Ab
und zu hat man einen schönen Blick auf die Mackenzie Mountains.
Kurz vor Fort Liard dann ein unplanmässiger Halt: Eine Büffelherde
(ca. 80 Tiere) versperrt den Liard auf seiner gesamten Breite. In
aller Ruhe liefen sie vor unserem Van her und machten keine Anstalten
den
Weg
freizugeben.
Mit einem grösseren Sicherheitsabstand warteten wir zunächst
hinter der Herde und hofften, dass auf der anderen Seite ein Auto
kommen und uns so den Weg freimachen würde. Aber daraus wurde
nichts. Wenn man mal ein Auto braucht kommt bestimmt keins! Nach
gut 20 Minuten wurde es uns aber zu bunt. Unter ständigem Hupen
versuchten wir die Büffel zu vertreiben - ohne Erfolg, scheinbar
kennen diese Viecher die Bedeutung des Hupens nicht. So musste halt
die harte Methode her. Wir fuhren immer näher und näher
und plötzlich befanden wir uns mitten in der Herde. Das war
schon ein komisches Gefühl - links und rechts diese riesigen
Kollose um uns herum. Die Herde war aber sehr ruhig, vermutlich waren
wir nicht die einzigen, die sich schon durch sie gezwängt hatten.
Einige der Büffel kamen so nahe, ich musste sie regelrecht von
der Strasse schupsen. |
Kurz darauf erreichten wir bei Km 216.5 Fort Liard. Im Visitor Center fragte uns die diensthabende Indianerin gleich, ob wir Büffel gesehen hätten? Büffel? Wir? Was für eine Frage....
Fort Liard (530 Einwohner) liegt 6.4 Kilometer abseits des Trails und sollte sicher angesteuert werden. Der Ort schmiegt sich an den Liard River, der dort schon die beachtliche Breite von 500 Meter aufweist. Im Visitor Center gibt es einen Shop, der sehr schönes indianisches Handwerk verkauft. Das Angebot des Shops, der unter anderem Mokassins, Körbe und Artikel aus Leder und Birkenrinde verkauft, rechtfertigt den Weg ins Dorf. Ansonsten gibts in Fort Liard nichts zu sehen. Menschen sahen wir fast keine. Grundversorgung wird angeboten mit einem kleinen Supermarkt und einer Tankstelle. Laut Milepost sollte es in Fort Liard einen Campground geben, wir haben aber keinen erspäht.
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Wieder auf dem Liard sahen wir, abgesehen von ein paar einzelnen Büffeln, wieder mal Bären. In kurzen Abständen sassen sie am Strassenrand und schauten dem Verkehr zu, den es eigentlich gar nicht gab. Bei Km 254.6 überquerten wir die Grenze nach British Columbia. Auf dem linken Bild sieht man die Grenze sehr gut. Dort wo der Liard Trail asphaltiert weiterführt ist British Columbia. Die Grenze bedeutet gleichzeitig auch Zeitzonenwechsel. Mit der Fahrt nach BC "gewinnt" man eine Stunde, was hier drausen wahrscheinlich kaum jemanden interessiert. Auch der Highway, wie er jetzt heisst, ändert seinen Namen. In BC spricht man von Highway 77, aber für den Touristen wird er wohl weiterhin Liard Trail heissen.
Nun, das waren die Northwest Territories. Mit dem Übertritt nach BC schliesst sich dieses aufregend neue Kapitel schon wieder für uns. Wer schon einige Male in Kanada gewesen ist und mal was Neues sehen möchte, macht mit einer Reise in die NWT sicher nichts falsch. |
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Auf dem jetzt gut ausgebauten Liard Trail ging's rasant Richtung Süden. Auf den letzten 137 Kilometer bis zum Alaska Highway fehlen Rest Areas wie Turnovers gänzlich und somit bietet sich keine Möglichkeit mehr um anzuhalten. Dafür stösst man ständig auf Hinweisschilder von Erdgas Firmen, die ihre Piplines durch die Wildnis getrieben haben. Bei Km 258.1 überquert man den Petitot River, der für sein warmes Wasser bekannt sein soll, ca. 21 Grad. Wir haben es nicht getestet. Bei Km 348.8 stösst der Highway auf den Fort Nelson River. Diese Brücke ist speziell: mit 430 Metern Länge soll sie nämlich die längste einspurige der Welt sein. Die Breite misst übrigens 4 Meter.
42.7 Kilometer später endet der Liard Trail und der Reisende erreicht den berühmten Alaska Highway. Von hier aus sind es noch 27 Kilometer bis Fort Nelson. |
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| Wir erreichten Fort Nelson am späteren Nachmittag. Bevor wir uns auf die Suche nach einem Campground machten, ging's erst einmal zur Waschstrasse. Unser Van hatte unter der langen staubigen Fahrt doch arg gelitten und sein schönes Weiss war kaum noch zu erkennen. Da wir von hier ab keine Schotterstrassen mehr befahren werden, machten wir auch gleich eine Innenreinigung. Der Staub war in jede Ritze gekrochen und es ist kaum zu glauben, was sich da so alles ansammelte. |
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Haupteinnahmequelle von Fort Nelson
(4400 Einwohner) ist, wie kann es anders sein, Erdgas. Nur im Sommer
spielt hier auch der Tourismus eine Rolle, was man am improvisierten
Visitor Center erkennen kann. Fort Nelson ist ein eher hässliches
Strassendorf mit ein paar Bars und Restaurants. Es gibt keinen
Grund sich hier länger aufzuhalten. Der Campground geht
da mit schlechtem Beispiel vorran: dicht gedrängt stehen die
Wagen, von Wildnisromantik keine Spur. Die sanitären Anlagen
waren alt und schäbig. Allerdings kamen uns die Waschmaschinen
ganz gelegen. Lustig: im Raum gleich neben Waschmaschinen und Trockner
gibt es einen wireless LAN Anschluss der im Campingpreis inbegriffen
ist. Hier gaben sich die Rentner die Klinke in die Hand, um schnell
mal ihren
Enkeln
die
neusten
Urlaubsbilder zu übermitteln. Auch wir mussten natürlich ein
paar Bilder/Mails mit unserem Laptop versenden.
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