Nun sitzen wir wieder im Flugzeug, das uns nach Frankfurt und später nach Zürich bringen wird. Unsere 4. Kanada Reise neigt sich dem Ende zu. Eine Reise, die eigentlich aus zwei Teilen bestand. Da war zum einen die endlose Wildnis der Northwest Territories mit dem flachen, eintönigen Land und den herzlichen Einwohner. Und zum anderen die pulsierenden Nationalparks mit der grandiosen Landschaft und den vielen Touristen.
Es ist schwierig zu sagen, welcher Teil nun besser oder schöner ist. Sicher, die Nationalparks in den Rockys sind einzigartig und wahrscheinlich das Beste, was Kanada landschaftlich zu bieten hat. Nirgends in Kanada sind die Attraktionen so nahe beieinander wie hier. Anders die Northwest Territories. Hier müssen hunderte von Kilometer gefahren werden bis endlich mal wieder was Interessantes vor die Linse kommt. Aber genau diese Mischung von Wildnis und Einsamkeit mit dem Wechsel zu den Städten wie Yellowknife oder Fort Simpson macht den Norden interessant. Und dann sind da noch die Menschen.
In den Nationalparks der Rockies hat man das Gefühl, man wird als Mensch oder Tourist nicht mehr so wichtig genommen. Hauptsache man bringt genügend Dollars mit und gibt sie auch aus. Die Landschaft zählt hier und das wissen die Kanadier nur zu gut. Der Tourist kommt immer wieder, gleich wie gut oder schlecht er behandelt wird oder wieviel er bezahlt. Die grandiose Landschaft wird immer siegen.
Anders die Northwest Territories. Hier wird der Mensch noch als Tourist erkannt. Denn wer sich schon in die Abgeschiedenheit des Nordens begibt, kommt nur zurück wenn ihm auch was geboten wird und das fängt mit dem Menschenkontakt an. Wir könnten unzählige Beispiele aufzählen, die wir erleben durften. Da war zum Beispiel das Visitor Center von Grimshaw, wo uns eine liebenswerte Mittfünfzigerin barfuss und hingebungsvoll die Northwest Territories erklärte und gar nicht mehr aufhören wollte. Auch die Begegnung mit dem Ranger auf dem Yellowknife Highway, der von Touristen erzählte, die in einem See ohne Fische fischten, war ein spezielles Ereignis. Nicht zu vergessen die Indianerin, die uns beim Sambaa Deh Campground regelrecht entgegensprintete um uns in Empfang zu nehmen. Auch die spezielle Begrüssung der diensthabenden Indianerin im Fort Liard Visitor Center, die uns, kaum hatten wir die Türe geöffnet, fragte, ob wir Büffeln gesehen hätten. Ihr ging's nicht darum, ob wir Büffel gesehen hatten oder nicht, denn sie wusste die Antwort bereits; sie wollte mit uns Fremden ins Gespräch kommen. Diese Kontaktfreudigkeit und all diese Menschlichkeit haben wir in den Nationalparks vergebens gesucht, was uns allerdings erst auffiel, als wir die andere Seite kennen lernten. Wer Kanada das erste Mal besucht, kommt um die Nationalparks in den Rockys nicht herum - und das ist auch gut so. Wer Kanada aber öfters bereisen möchte, sollte sich doch überlegen auch mal in den Northwest Territories vorbeizuschauen. Er wird ein ganz anderes Kanada vorfinden und wir sind überzeugt, es wird ihm gefallen. Von unseren vier Kanadareisen war diese wohl die zweit beste. Den Yukon und auch Alaska kann man nicht überbieten, aber das ist wieder eine andere Geschichte. |